Pressemitteilung


03.12.2013


1. ctw-Wundsymposium in Düren zum Thema Interdisziplinäre Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms

PRESSEMELDUNG
für die Einrichtungen der Caritas-Trägergesellschaft West Düren
3. Dezember 2013

Von:
Caritas Trägergesellschaft West gGmbH
Öffentlichkeitsarbeit/K. Erdem
Holzstraße 1
52349 Düren

Telefon: 02421 55599-152, Mobil: 0172 8711292, Telefax: 02421 55599-110, E-Mail: kerdem@ct-west.de, Internet: www.ct-west.de

Foto (© K. Erdem) v.l.: Josa Jansen-Stankewitz (Wundexpertin ICW, St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich), Dr. med. Frank Engelmann (Facharzt für Innere Medizin, Diabetologe DDG, Oberarzt am St. Josef-Krankenhaus Linnich), Hildegard Pilz (Krankenschwester und Zertifizierte Wundmanagerin St. Marien-Hospital Düren), Adem Erdogan (Leitender Arzt der Fachklinik für Fußchirurgie und Diabetisches Fußsyndrom am St. Antonius-Krankenhaus Schleiden, Facharzt für Chirurgie und Fußchirurgie), Dr. med. Hans Heuser (Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie und zertifizierter Arzt für Fußchirurgie, Leitender Arzt der Unfallchirurgie am St. Marien-Hospital Düren), Monika Herper (Fachübungsleiterin Rehabilitation, Fitness-Fachwirtin, Sportlehrerin, Aerobic-Trainerin)

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Erstes ctw-Wundsymposium in Düren zum Thema: Interdisziplinäre Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms
Ärzte, Wundexperten, Physiotherapeutin und Orthopädie-Schuhmachermeisterin informierten

Das erste ctw-Wundsymposium war ein Erfolg. Im Winkelsaal von Schloss Burgau hörten rund 130 Teilnehmer vielfältige Vorträge zur Behandlung, Versorgung und Vorbeugung des diabetischen Fußsyndroms. Es ist eine der meist gefürchteten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Circa 14 Prozent der Diabetiker sind jährlich wegen Fußkomplikationen in ärztlicher Behandlung. Chronische Wunden oder Durchblutungsstörungen führen zu schweren Schäden, die im schlimmsten Fall Amputationen der Füße und Beine unumgänglich machen.
Um der Herausforderung an ein interdisziplinäres Behandlungsteam gerecht zu werden, lag der Fokus der Veranstaltung auf Vorträgen zur Diagnostik, Therapie und Prävention des diabetischen Fußsyndroms.
Adem Erdogan, Leitender Arzt der Fachklinik für Fußchirurgie und Diabetisches Fußsyndrom am St. Antonius-Krankenhaus Schleiden (Facharzt für Chirurgie und Fußchirurgie, Zusatzbezeichnungen: Koordinationsarzt Diabetisches Fußsyndrom, Notfallmedizin) begrüßte die Gäste.

Mit den bekannten vielfältigen Erscheinungsformen wie Polyneuropathie, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Nephropathie, chronisch rezidivierenden und infizierenden Geschwüren rufe das diabetische Fußsyndrom, so Erdogan, im Idealfall gleich mehrere medizinische Fachdisziplinen auf den Plan. Doch von 60.000 jährlich in Deutschland durchgeführten Amputationen erfolgen 40.000 aufgrund des Diabetes mellitus. Laut Expertenmeinung wären 80% vermeidbar gewesen. Es vergeht jedoch oft viel zu viel Zeit zwischen erstmaligem Auftreten einer Wunde und Vorstellung des Patienten beim Spezialisten. „Voraussetzung für die Vermeidung von Amputationen sind im Wesentlichen die optimale Blutzuckereinstellung, die Patientenschulung und ein funktionierendes Netzwerk von Hausärzten, Chirurgen, Diabetologen, Gefäßchirurgen, Radiologen, Neurologen, Podologen, Wundmanagern und Orthopädieschuhmeistern. Dieses Netzwerk haben wir heute zum großen Teil als Referenten unseres heutigen Symposiums vertreten“, sagte Erdogan und bat den ersten von ihnen auf die Bühne.
Dr. med. Frank Engelmann, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologe DDG, Oberarzt am St. Josef-Krankenhaus Linnich, sprach über die „Ursachen des Risikofußes“. Hildegard Pilz, Krankenschwester und zertifizierte Wundmanagerin AZWM® am St. Marien-Hospital Düren, erläuterte „Lokaltherapeutische Maßnahmen beim diabetischen Fußsyndrom unter dem Blickwinkel des Wundmanagements“ und „Podologie vs. Fußpflege“ lautete der Vortragstitel von Josa Jansen-Stankewitz, Wundexpertin ICW, Wundtherapeutin Euritim, St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich, die auch die Moderation der Veranstaltung übernahm. Alexandra Heidbüchel, Orthopädie-Schuhmachermeisterin aus Düren, referierte über die „Schuhversorgung beim Diabetischen Fußsyndrom“. „Operationsverfahren beim Diabetischen Fußsyndrom“ stellte Dr. med. Hans Heuser vor, D-Arzt, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie und zertifizierter Arzt für Fußchirurgie, Leitender Arzt der Unfallchirurgie am St. Marien-Hospital Düren. Schließlich informierte Monika Herper, Fachübungsleiterin Rehabilitation (Lizenz Stütz- und Bewegungsapparat "Wirbelsäule" + "Innere Organe"), Fitness-Fachwirtin, Sportlehrerin, Aerobic-Trainerin, über „Venentraining und Gangschulung beim Diabetischen Fußsyndrom“.
Die große Resonanz der Veranstaltung und angeregte Gespräche in den Pausen zeigten, wie wichtig den beteiligten Personen die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist.

Vortragsinhalte:
Risikofaktoren für das diabetische Fußsyndrom sind die periphere arterielle Verschlusskrankheit, eine krankhafte Verengung der Arterien von Armen und/oder Beinen, die Polyneuropathie, eine diabetische Nervenerkrankung, die Gefühlsstörungen beinhaltet, sowie eine schlechte Blutzuckereinstellung, wie Dr. Engelmann darlegte. Sie führen zu Geschwüren und im schlimmsten Fall zur Amputation.

Die moderne Wundversorgung erfordert konsequente Druckentlastung, mechanische, enzymatische, biochirurgische oder autolytische Wundbettreinigung, Antiseptik sowie feuchte Wundbehandlung, berichtete Hildegard Pilz. Die Vorgehensweise zur Behandlung richtet sich danach, ob ein oberflächliches oder tiefes Geschwür oder bereits eine Nekrose vorliegt.

Josa Jansen-Stankowitz führte aus, dass Fußpfleger im Vorfeld der medizinischen Versorgung tätig werden. Zu ihren Aufgaben zählen die Pflege, Prophylaxe und die dekorativen Maßnahmen des gesunden Fußes. Podologen arbeiten hingegen am gefährdeten oder kranken Fuß. Die Podologie ist aufgrund des Podologengesetzes (PodG) als medizinischer Fachberuf und nichtärztlicher Heilberuf definiert. „Die fußpflegerische Behandlung von Diabetikern darf nur von Podologen ausgeführt werden. Dies geschieht nach ärztlicher Verordnung“, so Jansen-Stankewitz.

Typ-2-Diabetiker mit der Diagnose Erkrankung der Fußnerven, Ulcus oder Charcofuß erhalten in der Schuhversorgung eine Diabetes adaptierte Weichbettungseinlage. Sie wird individuell tiefgezogen nach Form und Gipsabdruck, wie Alexandra Heidbüchel erklärte. Des Weiteren gibt es Diabetiker-Spezialschuhe ohne Vorderkappe, aus sehr weichem Leder, mit Alcantarafutter und ohne Nähte und mit Schuhbodenversteifung zur Entlastung. Nach Operationen und bei offenen Stellen im Vorfuß und Rückfuß kommen Vorfuß- oder Rückfußentlastungsschuhe zum Einsatz sowie Therapiesandalen. Der Diabetische Klumpfuß bedarf eines orthopädischen Maßschuhs für Diabetiker.

Vorbeugende operative Eingriffe könnten in vielen Fällen eine immer noch zu häufig notwendige Amputation vermeiden, verdeutlichte Dr. Heuser. Eine besondere Bedeutung komme den vorbeugenden Umstellungsoperationen an den Zehen und dem Vorfuß, der Entfernung von pathologischen Knochenvorsprüngen und einer gezielten Teilversteifung einzelner Gelenke zu. Eine besondere Aufgabe stellt auch die frühzeitige operative Defektsanierung am Fuß dar, so der Fußchirurg.

Monika Herper erläuterte, dass Menschen mit dem diabetischen Fußsyndrom auch Physiotherapie in Anspruch nehmen können und sollten. Diese beinhaltet Mobilisation mit Gefäßtraining, Gangschule und Rollstuhltraining. In der Gruppe lernen alle gemeinsam Bewegungen zu erlernen und knüpfen soziale Kontakte. Physiotherapie regt den Gesamtstoffwechsel an, der Blutzuckerspiegel wird gesenkt, die Bauchspeicheldrüse entlastet, die Kalorienverbrennung gesteigert, der Fettstoffwechsel und der Kreislauf angeregt. Auch Begleiterkrankungen wie Herzerkrankungen, Polyneuropathie, COPD, Arterielle Verschlusskrankheit und Amputation können von der Physiotherapie profitieren.

Weitere Text- und Bildinformationen:
Caritas Trägergesellschaft West gGmbH, Düren


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